Agentic AI ist ein Gamechanger für unsere moderne Verwaltung. Das BMDS liefert mit dem Framework die strategische Grundlage für diesen Wandel – als Einladung an alle föderalen Partner und entsprechenden Zielgruppen, den digitalen Staat von morgen gemeinsam zu gestalten. Das Framework dient dabei als Orientierungsrahmen, der Freiräume für die Umsetzung und praxisnahe Lösungen lässt.
Agentische KI bietet große Chancen für einen handlungsfähigen, digitalen Staat
Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) sieht im Einsatz agentischer künstlicher Intelligenz (Agentic artificial intelligence; AAI) einen essentiellen Beitrag zur Erreichung einer handlungsfähigen öffentlichen Verwaltung. Ziel ist ein souveräner und digitaler Staat, der auch in Zeiten von Haushaltskonsolidierung und Fachkräftemangel den an ihn gestellten Erwartungen an Effektivität, Geschwindigkeit und Nutzendenfreundlichkeit gerecht wird.
Schon heute gibt es erste vielversprechende Anwendungsfälle agentischer KI in der öffentlichen Verwaltung. Zugleich benötigen viele Organisationen noch Orientierung für die praktische Einführung von agentischer KI, insbesondere bei der Auswahl geeigneter Anwendungsfälle und der Ausgestaltung eines geeigneten .
Diese Bedarfe aufgreifend, hat das BMDS ein Framework für eine agentische Verwaltung entwickelt (Abbildung 1). Es vermittelt Interessierten auf allen föderalen Ebenen ein behördenübergreifendes Zielbild und schafft einen Orientierungsrahmen für ein behördenspezifisches . Eine Roadmap auf Behördenebene operationalisiert das Framework und dient als strukturierter Praxiswegweiser (Abbildung 2). Sie skizziert die Schritte einer Behörde hin zu einer agentischen Organisation.
Das Zielbild einer agentischen Verwaltung als übergreifendes Leitmotiv
Das Zielbild ist bewusst ambitioniert gehalten. Darin richtet die öffentliche Verwaltung ihr Betriebsmodell konsequent an den Möglichkeiten agentischer KI aus. Sie setzt AAI gesamtorganisatorisch verantwortungsvoll ein und stärkt nachhaltig die Handlungsfähigkeit des Staates. Eine agentische Verwaltung steht für effiziente – wo sinnvoll, proaktive – Leistungserbringung, nachvollziehbares Verwaltungshandeln und eine Arbeitsteilung, in der Mitarbeitende KI-Agenten als synergetische und entlastende technologische Lösungen erleben. Das Zielbild sieht eine systemische Einteilung nach Wirksamkeit, Eignung und Effizienz vor. Wo möglich, werden Entscheidungen regelbasiert kodifiziert. Menschen sind weiterhin eine wichtige zu Bürgerinnen, Bürgern sowie Unternehmen. Sie verantworten Entscheidungen und greifen ein, wo technische Systeme an ihre Grenzen stoßen oder nicht entscheiden sollen.
Die Einhaltung des Grundgesetzes und ethischer Prinzipien bleibt Grundlage allen Verwaltungshandelns. Gesicherte Rechtsstaatlichkeit, demokratische Kontrolle, Zugang für alle sowie die strategischen Grundsätze , Sicherheit, Resilienz und Nachhaltigkeit markieren Grenzen jeglichen Agenteneinsatzes.
Das Target Operating Model (TOM) übersetzt das Zielbild in die Verwaltungspraxis
Das zeigt anschaulich auf, wie staatliche Wertschöpfung entlang agentischer Leistungsbereiche aussehen kann und definiert behördenübergreifende sowie behördenspezifische Gelingensbedingungen (Fähigkeiten). Zu den zehn übergreifenden Gelingensbedingungen gehören u. a. die Weiterentwicklung des rechtlichen Rahmens, die Bereitstellung einer übergreifenden Governance und Standardsetzung sowie ein zentrales . Grundsätzlich gilt das Leitprinzip: „Gemeinsame Standards, dezentrale Umsetzung“.
Staatliche Wertschöpfung folgt in der agentischen Verwaltung einem neuen Paradigma. Die Verwaltung erbringt Leistungen vorrangig im Hintergrund. Sie greift dabei auf Agenten zurück, die einen behördenübergreifenden „Fall“ orchestriert bearbeiten (Fallkoordination und -steuerung) im Hintergrund. Sie erscheint zentralen Zielgruppen gegenüber als Einheit mit zentralen, nutzerfreundlichen „Eingangstüren“ (etwa dem oder der ). Sie kann auf verschiedenen Wegen, also multimodal, angesprochen werden (Falleingang). Die „Navigationslast“ von Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen in einer als fragmentiert wahrgenommenen Behördenlandschaft entfällt.
Der Einsatz agentischer KI-Systeme erfolgt dabei primär entlang von fünf agentischen Leistungsbereichen – Politik & Aufsicht, Ordnung & Eingriff, Leistung & Förderung, Planung & Infrastruktur sowie Verwaltungsinterne Leistungen. Der Einsatz von AAI orientiert sich an der Wirtschaftlichkeit und Wirkung konkreter Anwendungsfälle. Beispiele hierfür sind ein agentisches Gesetzgebungsverfahren, das agentische Lagebild, der Familienstart ohne Antrag, die effiziente und rechtssichere Bauplanung sowie eine AAI-gestützte Z-Abteilung.
Behördenseitig steht die Ausbildung spezifischer Fähigkeiten in den Dimensionen Governance, Technologie und Organisation im Fokus. In jeweils drei Subdimensionen wird ein Zielzustand für den erfolgreichen Einsatz von AAI skizziert. Zugrunde liegen 55 Designprinzipien, die wichtigste Handlungsfelder aus heutiger Sicht benennen. Technisch kann die Behörde beispielsweise auf eine im Rahmen des bereitgestellte, modulare Plattform für agentische Anwendungen sowie einen „“ zugreifen. Die fachliche Umsetzung der KI-Agenten liegt bei den Behörden. Der zulässige von Agenten wird abhängig von Risiko, Wirkung und Kritikalität der jeweiligen Aufgaben festgelegt. Kritische Aktionen sind mit entsprechenden Anforderungen an Überwachung, Freigabe oder menschliche Beteiligung geknüpft. Die Verantwortung für das durch agentische KI unterstützte Verwaltungshandeln verbleibt bei der Behörde. Organisatorisch werden Beschäftigte künftig von allen Aufgaben entlastet, die durch Automatisierung und AAI schneller oder besser erledigbar sind. Kompetenz im AAI-Umgang wird Basisqualifikation.
Die Roadmap zeigt konkrete Entwicklungsschritte hin zur agentischen Behörde
Die Roadmap definiert drei aufeinander aufbauende organisationale Entwicklungsstufen: 1) Minimum Viable, 2) Scaling und 3) Agentic Organisation. Entlang dieser zeigt sie konkrete Entwicklungsschritte für die sukzessive Weiterentwicklung behördlicher Strukturen und Fähigkeiten, vom kontrollierten Piloteinsatz agentischer KI, über die systematische Skalierung bis zur vollständigen Verankerung im behördlichen Betriebsmodell.
Minimum Viable Organisation (MVO): In der ersten Stufe werden die grundlegenden Voraussetzungen geschaffen. Der Einsatz agentischer KI startet kontrolliert in sicheren mit Zugang zu souveränen Modellen und fokussiert sich auf ausgewählte Anwendungsfälle. Durch Einzelfall-Risikosteuerung, klar begrenzte Agenten-Autonomie und den gezielten Aufbau AAI-spezifischer Rollen wird eine sichere, projektbasierte Umsetzung gewährleistet, um den Umgang mit der Technologie zu erlernen.
Scaling Organisation: In der zweiten Stufe baut die Behörde systematisch die notwendigen organisatorischen Fähigkeiten auf und nutzt skalierbare Plattforminfrastrukturen (inkl. , und dezentralen ), um eine steigende Zahl von – auch zunehmend komplexen – Anwendungsfällen über Nachnutzungseffekte effizient auszurollen. Sie verankert ein föderiertes Betriebsmodell, das zentrale Standards und Befähigung mit dezentraler Fachverantwortung vereint. Abgesichert wird es durch eine standardisierte Governance mit und .
Agentic Organisation: Die dritte Stufe beschreibt die finalen Maßnahmen zur Überführung der Behörde von der Skalierungsphase in die Agentic Organisation. Diese bildet den vollendeten Zielzustand des Frameworks im Sinne des Zielbilds und des TOMs ab.
Ergänzend konkretisiert die Roadmap die übergreifenden Gelingensbedingungen aus dem . Sie werden gestaffelt in zwei Schritten erfüllt. Unverzüglich initiiert werden die Weiterentwicklung des Rechtsrahmens, eine einheitliche Governance, nachnutzbare , modernisierte Rollen- und Kompetenzprofile im Dienstrecht sowie Daten- und Registerstrukturen. Im zweiten Schritt folgen ein zentrales , eine Vertrauensschicht, eindeutige Haftungs- und Vertragsregeln, die technische Systemintegration in bestehende Fachverfahren sowie agentenfähige Organisations- und Geschäftsordnungen.
Unsere Erkenntnisse werden zügig in der Praxis verprobt und weiterentwickelt
Framework und Roadmap sind bewusst praxisorientiert gestaltet. Sie leisten einen Beitrag dazu, dass Behörden agentische KI schnell in die Anwendung bringen können. Das BMDS ist deshalb im Austausch mit Interessierten für eine Verprobung. Die dabei gesammelten Praxiserkenntnisse lässt das BMDS in die iterative Weiterentwicklung von Framework und Roadmap einfließen. Zugleich wird das BMDS eine Führungsrolle bei den übergreifenden Gelingensbedingungen einnehmen: nicht zwingend durch eigene Umsetzung, aber durch das Setzen von Zielen und , die Klärung von Zuständigkeiten und das Finden von Partnern. Zentral ist dabei: Alle Beteiligten sollten schnell ins Machen kommen und voneinander lernen, statt aufeinander zu warten.
Framework: Alles auf einen Blick
Abbildung 1: Framework für eine agentische Verwaltung auf einen Blick
Roadmap: Alles auf einen Blick
Abbildung 2: Roadmap für eine agentische Behörde auf einen Blick
Fußnoten
„Agentische KI“ beschreibt autonome Systeme, die innerhalb eines klar festgelegten Rahmens weitestgehend eigenständig handeln sowie Aufgaben mithilfe von lösen können.
Zur Markierung springen (Fußnote 1)Beispielsweise über klassische Fachverfahren, Software-Lösungen oder .
Zur Markierung springen (Fußnote 2)

